Eine kurze Geschichte der RAF

Eine kurze Geschichte der RAF

Eine kurze Geschichte der RAF. Vor bald 51 Jahren wurde der 27-jährige Kleinkriminelle Andreas Baader bei einem Bibliotheksbesuch den staatlichen Behörden durch eine Befreiungsaktion entzogen. Er hätte gerade mal noch zwei Monate seiner wegen Brandstiftung gefassten Strafe zu verbüßen gehabt. Denn nach Verbüßung der Hälfte seiner Strafe hätte er die vorzeitige Entlassung auf Bewährung beantragen können. Aber an jenem 14. Mai 1970 begann ein beispielloser Amoklauf, der in der Geschichte der BRD hoffentlich einzigartig bleibt.

„Hitler’s Kinder“?

Die sogenannte Stadtguerilla oder Baader-Meinhof Bande und selbsternannte RAF war natürlich kein Einzelphänomen, wie Kellerhoff glaubhaft darstellt. Es gab auch die Bewegung 2. Juni oder andere terroristische Kommandos, die glaubten durch ihre Taten eine Art „Volkskrieg2 entfesseln zu können. Die Bilanz fällt allerdings weit nüchterner aus: zwischen 1970 und 1993 starben 34 unschuldig Opfer, 230 Menschen wurden teilweise schwer verletzt. Auf Seiten der Terroristen starben fünf, sechs nahmen sich das Leben, zwei weitere starben bei misslungenen Anschlägen und bei Unfällen. Mit rund 40 Banküberfällen hatten sie insgesamt sieben Millionen Mark erbeutet. Durchschnittlich saßen die meisten RAF-Mitglieder, die zu lebenslänglich verurteilt worden waren, 20 Jahre in Haft. Seit 2011 ist kein früheres RAF-Mitglied mehr in Haft, schreibt Kellerhoff. Die von den Studenten zum „Schweinesystem“ ernannte Gesellschaft der Bundesrepublik hatte also durchaus Milde walten lassen. Zumindest stellt Kellerhoff dies glaubhaft so dar, genauso wie er bemüht ist, festzuhalten, dass stets die Terroristen zuerst schossen und immer die RAF das Feuer eröffnete. Ein Staat in der Defensive?

Prada-Meinhof und Radical Chic

Besonders beachtenswert ist an der Geschichte der RAF, dass nicht nur viele Anwälte anzog, sondern auch eine Reihe anderer Sympathisanten der Zivilgesellschaft. Ohne diese wäre der RAF wohl gar kein „Erfolg“ zuteil geworden, wenn man die Bewaffnung der Bundesrepublik und die Aufrüstung von Polizei und Militär denn als solchen werten möchte. Kellerhoff fasst in seiner kurzen und sehr lesenswerten Geschichte der RAF die wichtigste Ereignisse zusammen und gliedert sein Buch nach den drei Generationen der RAF, wobei letztere vielleicht sogar nur mehr ein Phantom war. Über weite Strecken liest sich seine Erzählung wie ein spannender Krimi, der allerdings real ist und keine Fiktion, wie die Western und Nouvelle Vague Filme, die die RAF in ihrer Jugend offensichtlich als Vorlage für ihren Amoklauf sichteten. Dass die Veränderung der Gesellschaft ein langsamer, evolvierender Prozess ist und keineswegs durch Gewalt erreicht werden kann, bleibt als Erkenntnis zurück. Aber dafür mussten zu viele Unschuldige sterben.

Kellerhoff erhielt 2012 den Ehrenpreis der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen. Zuletzt erschien bei Klett-Cotta sein Buch über „Mein Kopf“ und dessen Folgen. „Mein Kampf – Die Karriere eines deutschen Buches“, ist eine erste umfassende und allgemeinverständliche Aufklärungsschrift über das Machwerk Hitlers und natürlich auf dem Stand der aktuellen Forschung.

Sven Felix Kellerhoff

Eine kurze Geschichte der RAF

1.Aufl. 2020, 208 Seiten, Klappenbroschur

ISBN: 978-3-608-98221-3

18,00 EUR (D), 18,50 EUR (A)

Klett-Cotta

 


Genre: BRD, Kalter Krieg, Politik, Terrorismus, Zeitgeschichte
Illustrated by Klett-Cotta Stuttgart