Zeus hält es einmal mehr für angebracht, in Menschengestalt auf der Erde aufzuschlagen, um sein Ohr an die Stimmen derjenigen zu legen, die er geschaffen hat. Und damit sich diese anstrengende Geschäftsreise zu den Menschen überhaupt lohnt, gönnt er sich ein Bonbon: Es erscheint in Gestalt einer üppigen Griechin, von der der alte Götterbock unbedingt ein Kind will – natürlich in der Hoffnung, dass daraus ein prächtiger Halbgott der Literatur entspringe.
Seinen Protagonisten, den Göttervater in persona, zeichnet Laufenberg als zeitlosen älteren Herrn von unerschütterlicher Gelassenheit. Zeus wundert sich, wie weit es die von ihm in die Welt gesetzten Erdlinge gebracht haben, und bestaunt den Laptop als Schreibgerät der Jetztzeit. Doch auch die Frauen sind inzwischen andere Wesen, als er sie von einem kleinen Seitensprung vor ein paar hundert Jahren in Erinnerung hat. Sie können durchaus klare Ansagen machen, die einen ergrauten Silberrücken erschrecken.
Der Autor präsentiert eine vergnügliche Lesereise eines Anisschnaps-saufenden himmlischen Beobachters auf Erden. Am Busen der Menschheit angelangt, will Zeus mit einer Menschenfrau schlafen. Guter Sex, so meint er, werde seinen Mühen als himmlischer Spion auf einem seiner Lieblingsplaneten mehr als gerecht.
So bummelt der Gott vier Wochen lang selbstvergessen durch Rhodos, schildert haarklein seine Reiseeindrücke von der Insel und philosophiert über die Mentalität der Rhodier sowie über das Schreiben und den Literaturbetrieb im Besonderen. Im Monologisieren verliert er seine Beute aus den Augen und erleidet schließlich das Schicksal salbadender alter Herren, die nicht wahrhaben wollen, dass ihr Wertesystem ebenso in die Jahre gekommen ist wie sie selbst.
In diesen, in der Weltliteratur häufig gebrauchten Plot packt Laufenberg weit mehr, als man auf den ersten Blick vermuten würde: Weisheit, Philosophie, Humor, genaue Beobachtung, stilistische Souveränität und eine gehörige Portion Kenntnisse über den Literaturbetrieb und seine Wucherungen.